Haus Passarello - Heilpädagogische Wohngruppe

 

Das Angebot richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren und junge Volljährige mit  Migrations- bzw. Fluchtgeschichte, die dort nach ihrer Ankunft in Deutschland Schutz, Orientierung und Sicherheit erhalten.
Sie benötigen in der Begegnung sowohl Empathie, als auch gleichermaßen Struktur und Grenzen um sich gehalten zu fühlen und ihre Erfahrungen verarbeiten zu können.

Jugendliche aus Krisengebieten kommen oft  traumatisiert in Deutschland an. Die Auswirkungen von traumatischen Vorgeschichten können Einfluss auf ihr Verhalten sowie auf ihre Entwicklung haben. Durch die Unterbringung der Jugendlichen in der heilpädagogischen Wohngruppe - die stabile und familienähnliche Strukturen aufweist - soll ein gesicherter Lebensmittelpunkt mit verlässlichen Beziehungen hergestellt werden.

Schwerpunkte in der pädagogischen Arbeit mit unbegleiteten Minderjährigen sind neben der emotionalen Stabilisierung, den Jugendlichen schulische, berufliche und soziale Orientierung zu bieten sowie eine positive Lebenshaltung und authentische Identität zu ermöglichen.

Das Ziel ist die Befähigung zu einer selbständigen Lebensbewältigung sowie zur Selbsthilfe unter Berücksichtigung ihrer individuellen, sozialen und kulturellen Ressourcen.
Damit eng verbunden ist das Schaffen von Perspektiven und realistischen Zielen.

Ziele:

  • Unterstützung in der Identitätsentwicklung, positives Selbstbild, emotionale und psychische Stabilität und Sicherheit, Ressourcenaktivierung
  • Aufbau und Erhalt einer strukturierten und verbindlichen Alltagsgestaltung
  • Erwerb deutscher Sprachkenntnisse
  • Integration in Schule und gelingender Übergang von Schule zu Ausbildung
  • Unterstützung bei der Sicherung des Aufenthaltes
  • Anbindung der Jugendlichen in den Sozialraum
  • Bewältigung und Befähigung zum Umgang mit der Biographie
  • Bewusstmachung von Folgewirkungen einer eventuellen Traumatisierung
  • Erlernen von Lösungsstrategien im Falle von Krisen
  • Vermittlung von in Deutschland geltenden Werten, Normen und rechtlichen Grundlagen
  • Wissen über gesellschaftliche, politische und religiöse Gegebenheiten in Deutschland
  • Wissen über geschlechtsspezifischen und sexualpädagogischen Themen
  • Vorbereitung auf ein eigenverantwortliches Leben und Verselbständigung
  • Auseinandersetzung und Vorbereitung einer möglicher Rückführung
  • Eine zukunftorientierte, selbstverantwortliche und optimistische Lebenshaltung.

Formen pädagogischer Arbeit:

Grundsätzlich ist jeder Mensch bedingt durch seine kulturelle Herkunft, Umwelt und ganz individuelle Biographie sozial geprägt. Daran geknüpft sind Selbst- und Weltbild, Rollenverständnis Erwartungen an die Außenwelt, die Art zu kommunizieren sowie Lösungsstrategien und –formen.

Um in unserer Gesellschaft erfolgreich anzukommen und bestehen zu können, müssen die Jugendlichen ihnen bekannte Werte und Glaubenssätze und daraus resultierende Verhaltensmuster reflektieren und teilweise verändern. Das nun neue Werte- und Regelsystem muss ihnen vertraut, verstanden und verinnerlicht werden. Dann können veränderte Verhaltensweisen und Strategien erlernt und trainiert werden.

Zur Erreichung der Ziele wird mit unterschiedlichen kultursensiblen Methoden und systemischen Interventionsformen gearbeitet.

Die jungen Menschen erhalten:

  • Unterstützung im schulischen / beruflichen / kognitiven Bereich
  • Förderung im sozialen Bereich
  • Bindungsangebote und Beziehungsarbeit
  • Unterstützung im Erlernen von alltagspraktischen Fähigkeiten
  • Förderung einer gesunden Lebensweise (Ernährung, Hygiene, Pflege, Gesundheit)
  • Erlebnispädagogische Aktivitäten
  • Hilfen zur Bewältigung von Krisen
  • Hilfen zur Gestaltung und Vorbereitung in die Verselbständigung

Betreuungsrahmen:

Wir praktizieren das System der Bezugsbetreuung, so dass jeder Mitarbeiter eine besondere Verantwortung für zwei bis drei Jugendliche hat und auf dessen Entwicklung, individuelle Fähigkeiten, Ressourcen und Bedürfnisse ein besonderes Augenmerk hat.

Die heilpädagogische Wohngruppe ist ein vollstationäres Angebot. Die Jugendlichen werden von professionell ausgebildeten Fachkräften rund um die Uhr betreut.

Wir sind ein multikulturelles und multiprofessionellen Team, bestehend aus ErzieherInnen, SozialpädagogInnen (mit z.T. Zusatzausbildungen), Pädagogen und einer Psychologin sowie Büro- und Hauswirtschaftskräften.

Inobhutnahme / Clearing:

Wir nehmen auch Jugendliche auf, deren Hilfebedarf noch ungeklärt ist. Die Einrichtung ist nach §42 SGB VIII anerkannt und kann eine Inobhutnahme und ein Clearingverfahren durchführen. Wir sind auf spontane Aufnahmen – je nach Platzkapazität vorbereitet. Nach telefonischer Anfrage eines Jugendamtes kann die Aufnahme eines Jugendlichen noch am selben Tag erfolgen.

Dabei ist darauf zu achten, dass vor dem ersten Kontakt des Jugendlichen mit der Gruppe eine medizinische Untersuchung und Erstversorgung erfolgt.

Für das Clearingverfahren

  • Medizinische Abklärung und Versorgung
  • Klärung familiärer und soziokultureller Hintergründe (Identität, Herkunft, Fluchtgeschichte, Verbleib der Eltern, Geschwister und anderer Angehöriger)
  • Klärung der Vormundschaft
  • Klärung von Anzeichen einer traumatischen Belastung
  • Unterstützung beim Erlangen eines Aufenthaltsstatus

Infrastuktur:

Die Jugendwohngruppe befindet sich in einem Einfamilienhaus, das von einem großen Garten umgeben ist und somit u.a. viel Platz für jegliche Outdoor-Aktivitäten bietet.
Es handelt sich um eine Wohngruppe mit zehn Plätzen. Die Jugendlichen wohnen in zwei Einzel- und zwei großen Zweibettzimmer, sie teilen sich eine Wohnküche,  mehrere Aufenthaltsräume sowie drei Sanitärräume.
Das Haus steht in einem Vorort von Augsburg, die Innenstadt von Augsburg sowie Schulen, Ausbildungsstellen, Vereine usw. sind mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln leicht und schnell zu erreichen.

Gruppenleitung: Elisabeth Neidlinger

Kontakt:
PASSARELLO
Frölichstr. 10 1/2
86150 Augsburg
Telefon: 0821 / 51 99 66